EN 1090 Zertifizierung Kosten 2026 — echte Erfahrungswerte aus der Praxis
Was kostet die EN 1090 Zertifizierung? Richtwerte für Erstinspektion, Überwachungsaudit, WPK-Handbuch, Schweißerprüfungen und WPQR — plus Ablauf und Zeitplan.
Die EN-1090-Erstzertifizierung ist für viele Metallbau- und Stahlbau-Betriebe ein Meilenstein — aber auch ein erheblicher Aufwand. Was sind realistische Erwartungen an Kosten und Zeitaufwand?
1090 Zertifizierung: Was wird eigentlich zertifiziert?
Wer nach „1090 Zertifizierung“ sucht, meint in der Regel die Zertifizierung der Werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090-1. Zertifiziert wird also nicht das einzelne Bauteil, sondern das System, mit dem ein Betrieb tragende Stahl- oder Aluminiumbauteile herstellt und überwacht. Die Norm teilt die Aufgaben dabei klar auf (EN 1090-1, Tabelle ZA.3):
- Der Hersteller führt die Erstprüfung durch und richtet ein WPK-System ein, dokumentiert und hält es aufrecht. Dazu gehören schriftliche Verfahrensanweisungen, regelmäßige Kontrollen und Prüfungen sowie die daraus folgenden Maßnahmen für Werkstoffe, Betriebsausrüstung, Produktionsprozess und hergestellte Bauteile (EN 1090-1, 6.3.1).
- Die Zertifizierungsstelle nimmt die Erstinspektion des Werkes und der WPK vor und überwacht sie danach laufend (EN 1090-1, Tabelle ZA.3 und Anhang B).
Die Herstellung selbst richtet sich bei Stahlbauteilen nach EN 1090-2, bei Aluminiumbauteilen nach EN 1090-3. Welche Ausführungsklasse (EXC) für Ihre Bauteile gilt, legt die Ausführungsspezifikation fest; sie bestimmt den Umfang dessen, was die Stelle prüft. Eine Übersicht dazu finden Sie auf unserer Seite zu Stahlbau nach EN 1090. Ob und in welchem Umfang für Ihre Produkte eine Zertifizierung erforderlich ist, klären Sie vor der Beauftragung mit Ihrer Zertifizierungsstelle.
Kurz zusammengefasst:
- Was wird zertifiziert? Die WPK des Herstellbetriebs nach EN 1090-1, nicht das einzelne Bauteil.
- Wer zertifiziert? Eine Zertifizierungsstelle (notifizierte Stelle), nicht der Betrieb selbst.
- Was bereitet der Betrieb vor? WPK-Handbuch, Schweißer- und Verfahrensnachweise, Subunternehmer-Dokumentation.
- Wo steht der Zeitplan? In der Checkliste weiter unten und im Ablauf der Zertifizierung.
Was die EN-1090-Zertifizierung kostet
Die direkten Kosten variieren stark je nach Zertifizierungsstelle, Ausführungsklasse und Betriebsgröße. Als grobe Orientierung:
Zertifizierungsstelle (notifizierte Stelle):
- Erstinspektion inkl. Zertifikat: 2.500–5.000 EUR
- Überwachungsaudit (Abstand je nach Ausführungsklasse, EN 1090-1 Tabelle B.3): 1.500–2.500 EUR je Audit
WPK-Handbuch (wenn extern erstellt):
- Einfaches Handbuch für EXC2: 3.000–6.000 EUR
- Umfangreiches Handbuch für EXC3: 6.000–12.000 EUR
Schweißer-Qualifikationen (ISO 9606-1):
- Prüfung pro Schweißer: 300–600 EUR
- Bei 5 Schweißern: 1.500–3.000 EUR
WPQR (Verfahrensprüfung):
- Pro Verfahren/Werkstoffkombination: 2.000–8.000 EUR
- Typisch für mittleren Betrieb: 2–4 WPQRs
Die Gesamtkosten für eine typische Erstzertifizierung in EXC2 liegen damit bei 10.000–25.000 EUR.
Wo die meisten Betriebe Zeit verlieren
Die direkten Kosten sind planbar. Was viele unterschätzen: der indirekte Zeitaufwand, der in Vorbereitung und Koordination steckt.
WPK-Handbuch intern schreiben: Wenn kein externer Berater beauftragt wird, verbringt ein QM-Beauftragter oft 3–6 Monate damit, das Handbuch aufzubauen.
Subunternehmer-Dokumentation: Viele Betriebe stellen erst bei der Audit-Vorbereitung fest, dass nicht alle eingesetzten Subunternehmer vollständig qualifiziert sind. Das Nachholen dieser Nachweise kostet Zeit.
Schweißer-Qualifikationen organisieren: ISO-9606-1-Prüfungen werden von einem Prüfer oder einer Prüfstelle beaufsichtigt und bestätigt (ISO 9606-1, Abschnitt 6). Terminplanung und Koordination mit mehreren Schweißern dauert oft 2–3 Monate.
Checkliste für die Vorbereitung
6 Monate vor dem Zertifizierungsaudit:
- Notifizierte Stelle auswählen und Termin anfragen
- WPK-Handbuch beginnen oder Berater beauftragen
- WPQR-Lücken identifizieren und Verfahrensprüfungen planen
3 Monate vorher:
- Schweißer-Qualifikationen für alle eingesetzten Schweißer sicherstellen
- Subunternehmer-Liste erstellen und Zertifikate anfordern
- WPK-Handbuch abschließen
1 Monat vorher:
- Alle Dokumente zusammenstellen und auf Vollständigkeit prüfen
- Probe-Audit intern durchführen oder durch Berater begleiten lassen
Laufende Kosten nach der Zertifizierung
Die Erstzertifizierung ist einmalig — die laufenden Kosten sind dauerhaft. Neben den wiederkehrenden Überwachungsaudits entstehen laufende Aufwände durch:
- Aktualisierung des WPK-Handbuchs bei Änderungen
- Bestätigung der Schweißer-Qualifikationen alle 6 Monate (ISO 9606-1, 9.2) und Verlängerung der Prüfungsbescheinigungen nach der darauf vermerkten Methode — etwa erneute Prüfung alle 3 Jahre oder alle 2 Jahre zwei geprüfte Fertigungsnähte (ISO 9606-1, 9.3)
- Überwachung der Subunternehmer-Zertifikate
Gerade die Subunternehmer-Überwachung ist ohne System ein erheblicher Aufwand, der aber mit einer Software wie ZulieferCheck auf ein Minimum reduziert werden kann.
Fazit
Die EN-1090-Zertifizierung ist ein Investment, das sich für die meisten Metallbau-Betriebe rechnet — allein schon, weil erst das WPK-Zertifikat die CE-Kennzeichnung tragender Bauteile nach EN 1090-1 möglich macht. Mit realistischer Planung und den richtigen Werkzeugen ist der Aufwand beherrschbar.
Ablauf der EN 1090 Zertifizierung — Schritt für Schritt
Der Zertifizierungsprozess folgt einem klaren Ablauf. Wer die Stationen kennt, kann den Zeit- und Kostenaufwand realistischer einschätzen und die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit einleiten. Eine ausführliche Darstellung der einzelnen Stationen finden Sie im Ablauf der EN 1090 Zertifizierung im Detail.
1. Vorprüfung Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) Bevor eine notifizierte Stelle beauftragt wird, steht die Frage: Reifen die internen Prozesse für eine WPK? Dazu gehören Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1, gültige WPQR-Verfahrensprüfungen, ein vollständiges WPK-Handbuch und dokumentierte Eigenüberwachung.
2. Audit-Vorbereitung Alle Nachweise werden zusammengestellt: WPK-Handbuch, Schweißer-Zeugnisse, WPQR-Liste, Subunternehmer-Dokumentation, Kalibrierprotokolle der Messmittel. Diese Phase dauert in der Praxis 2–4 Monate.
3. Erstinspektion durch die notifizierte Stelle Die notifizierte Stelle (z. B. TÜV, DEKRA, SLV) prüft vor Ort, ob die WPK funktioniert. Dazu gehören eine Werksbegehung und die Sichtung der Dokumentation; bei Schweißarbeiten prüft sie, ob Einrichtungen und Personal die Anforderungen an die WPK erfüllen (EN 1090-1, Tabelle B.1).
4. Erteilung des Zertifikats Nach bestandener Erstinspektion erhalten Sie das EN-1090-Zertifikat, das die bescheinigte Ausführungsklasse nennt. Damit ist die CE-Kennzeichnung Ihrer Bauteile möglich.
5. Laufende Aufrechterhaltung Wiederkehrende Überwachungsaudits (Abstände nach EN 1090-1 Tabelle B.3), kontinuierliche Pflege der WPK, Bestätigung und Verlängerung der Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 und die laufende Überwachung der Subunternehmer-Zertifikate — das ist der Alltag nach der Erstzertifizierung. Welche Ausführungsklasse für Ihren Betrieb relevant ist, hängt von den Bauteilen ab, die Sie herstellen — eine Übersicht finden Sie auf unserer Seite zu Stahlbau nach EN 1090.
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