ISO-9606-1-Schweißer-Qualifikationen überwachen — praktischer Leitfaden
Wie Metallbau-Betriebe die Schweißer-Qualifikationen ihrer Subunternehmer systematisch überwachen und Ablauf-Überraschungen beim Audit vermeiden.
Die ISO-9606-1-Schweißer-Qualifikation ist eine der am häufigsten unterschätzten Compliance-Anforderungen beim Subunternehmer-Management. Ein Subunternehmer hat oft 5–15 Schweißer mit unterschiedlichen Qualifikationen und Ablaufdaten — ohne System verliert man schnell den Überblick.
Das Problem mit Schweißer-Qualifikationen beim Subunternehmer
Wenn Sie einen Schweißen-Subunternehmer beauftragen, beauftragen Sie einen Betrieb — nicht einzelne Schweißer. Aber EN 1090-2 Clause 5.6 verlangt, dass die ausführenden Schweißer qualifiziert sind. Das bedeutet: Sie müssen sicherstellen, dass der Subunternehmer nur Schweißer einsetzt, die eine gültige ISO-9606-1-Qualifikation für das eingesetzte Verfahren und die ausgeführten Nahtarten haben.
In der Praxis bedeutet das: Sie benötigen nicht nur das WPK-Zertifikat und den ISO-3834-Nachweis des Subunternehmers — Sie benötigen auch die aktuellen Schweißer-Prüfzeugnisse der eingesetzten Schweißer.
Was genau zu prüfen ist
Eine gültige ISO-9606-1-Qualifikation ist nicht pauschal gültig — sie gilt nur für bestimmte Parameter:
- Verfahren: 111 (E-Hand), 135 (MAG), 141 (WIG) etc.
- Nahtart: Stumpfnaht (BW) oder Kehlnaht (FW)
- Werkstoffgruppe: z. B. Gruppe 1.1–1.4 für unlegierte Stähle
- Materialdickenbereich: laut Prüfzeugnis
- Schweißposition: PA, PB, PC, PF, PE etc.
Ein Schweißer, der für MAG-Schweißen in Position PA qualifiziert ist, darf nicht ohne weiteres in Überkopf-Position (PE) schweißen. Das prüft der Auditor.
Gültigkeitsdauer — was viele vergessen
Nach ISO 9606-1:2017 ist eine Schweißer-Qualifikation grundsätzlich 2 Jahre gültig und kann per Werkstattbescheinigung der Schweißaufsicht um weitere 2 Jahre verlängert werden — Voraussetzung: nachgewiesene Schweißtätigkeit innerhalb der letzten 6 Monate vor Ablauf. Diese Verlängerung kann mehrfach erfolgen, solange Schweißtätigkeit dokumentiert ist (siehe ISO 9606-1:2017, Abschnitt 9).
Das Tückische: Wenn ein Subunternehmer die 6-Monats-Werkstattbescheinigung vergisst oder der Schweißer länger als 6 Monate nicht im entsprechenden Geltungsbereich gearbeitet hat, erlischt die Qualifikation vorzeitig — auch wenn das formale Ablaufdatum auf dem Prüfzeugnis noch nicht erreicht ist.
Praktischer Überwachungsprozess
Schritt 1: Liste der eingesetzten Schweißer anfordern
Vor Beauftragung verlangen Sie vom Subunternehmer eine Liste aller Schweißer, die für Ihren Auftrag eingesetzt werden sollen, mit den zugehörigen Prüfzeugnis-Nummern und Ablaufdaten.
Schritt 2: Geltungsbereich prüfen
Stellen Sie sicher, dass die Qualifikation das eingesetzte Verfahren, die Nahtart und die verwendete Materialdicke abdeckt.
Schritt 3: Ablaufdaten zentral erfassen
Tragen Sie alle Ablaufdaten in ein zentrales System ein. Bei 5 Subunternehmern mit je 5 Schweißern und unterschiedlichen Ablaufdaten sind das 25 Daten, die überwacht werden müssen.
Schritt 4: Erinnerungen einrichten
90 und 30 Tage vor Ablauf sollte eine automatische Erinnerung erfolgen — an Sie und an den Subunternehmer.
Fazit
Die Überwachung von Schweißer-Qualifikationen beim Subunternehmer ist aufwendiger als die Überwachung der WPK-Zertifikate. Dafür brauchen Sie ein System, das nicht nur Zertifikate auf Unternehmensebene verfolgt, sondern auch auf Personen-Ebene. ZulieferCheck unterstützt genau diesen Anwendungsfall.
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