CE-Kennzeichnung im Metallbau — was wirklich dahintersteckt
Ohne CE-Kennzeichnung kein Inverkehrbringen von Stahlbauteilen in der EU — das ist bekannt. Weniger bekannt: Ein einziges abgelaufenes Subunternehmer-Zertifikat kann die CE-Kennzeichnung formal ungültig machen.
Was die CE-Kennzeichnung im Metallbau bedeutet
Im Metallbau und Stahlbau ist die CE-Kennzeichnung keine freiwillige Auszeichnung, sondern eine gesetzliche Pflicht. Sie basiert auf der Bauproduktenverordnung (BauPVO, EU 305/2011) und wird für Stahlbauteile durch die Norm EN 1090-1 geregelt.
Mit der CE-Kennzeichnung erklärt ein Hersteller, dass sein Stahlbauteil die wesentlichen Anforderungen der harmonisierten Norm EN 1090-1 erfüllt. Grundlage dafür ist eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK), die von einer notifizierten Stelle zertifiziert wurde.
Wer die CE-Kennzeichnung benötigt
Grundsätzlich jeder Betrieb, der tragfähige Stahlbauteile und Aluminiumtragwerke herstellt und in Verkehr bringt. Das betrifft:
- Stahlbauunternehmen (Hallen, Brücken, Tribünen)
- Schlossereien mit tragenden Schweißkonstruktionen
- Metallbauer für Geländer, Treppen und Balkone
- Fassadenbauer mit tragenden Aluminiumkonstruktionen
Ausgenommen sind Betriebe, die ausschließlich nicht-tragende Metallbauteile herstellen — aber diese Ausnahme ist enger als viele denken.
Die Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4
| EXC | Anwendung (Beispiele) | Folgen bei Versagen |
|---|---|---|
| EXC1 | Einfache Geländer, Treppen ohne statische Funktion | Gering |
| EXC2 | Standardgebäude, Hallenkonstruktionen | Mittel |
| EXC3 | Stadiontribünen, Parkhäuser, Brücken | Hoch |
| EXC4 | Kernkraftanlagen, Hängebrücken | Sehr hoch |
Warum ein abgelaufenes Subunternehmer-Zertifikat Ihre CE-Kennzeichnung gefährdet
EN 1090-2 Clause 5.6 verlangt, dass alle eingesetzten Subunternehmer die gleichen Qualifikationsanforderungen erfüllen wie der Hauptauftragnehmer. Wenn ein Subunternehmer Schweißarbeiten mit einem abgelaufenen WPK-Zertifikat durchführt, gelten diese Arbeiten als nicht durch eine qualifizierte Stelle ausgeführt. Das bedeutet: Ihre Leistungserklärung (DoP) und damit Ihre CE-Kennzeichnung sind für diese Bauteile formal nicht korrekt — auch wenn alle Ihre eigenen Dokumente vollständig sind.
Was beim Audit zur CE-Kennzeichnung geprüft wird
Bei Zertifizierungsaudits prüfen notifizierte Stellen typischerweise:
- Gültigkeit Ihres eigenen WPK-Zertifikats
- Gültigkeit der WPK-Zertifikate aller eingesetzten Subunternehmer
- Übereinstimmung der EXC-Klasse zwischen Ihnen und den Subunternehmern
- Vollständigkeit der Leistungserklärungen (DoP)
- Prozess zur laufenden Überwachung der Subunternehmer-Qualifikationen
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