Zum Inhalt springen
ZulieferCheck Logo
EN 1090 / Zertifizierung6 Min. Lesezeit

EN 1090 Zertifizierung: Ablauf, Vorbereitung & Dauer

Die EN-1090-Zertifizierung folgt einem klaren Ablauf — vom Aufbau der Werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) bis zur Erteilung des Zertifikats. Wer die Stationen kennt, plant Zeit, Kosten und Personal realistisch ein.

Die fünf Stationen im Überblick

Von der Vorbereitung bis zum ersten Zertifikat vergehen in der Praxis zwischen 4 und 12 Monate — abhängig von Betriebsgröße, Ausgangslage und Ausführungsklasse.

Station 1 — WPK aufbauen
3–6 Monate Vorbereitung
Station 2 — Audit-Vorbereitung
2–4 Monate Sammeln aller Nachweise
Station 3 — Erstprüfung
1–2 Tage vor Ort durch notifizierte Stelle
Station 4 — Zertifikatserteilung
2–6 Wochen nach bestandener Prüfung
Station 5 — Laufende Aufrechterhaltung
Jährliches Überwachungsaudit + WPK-Pflege

Station 1 — Werkseigene Produktionskontrolle aufbauen

Bevor eine notifizierte Stelle beauftragt wird, muss die interne WPK funktionieren. Die WPK umfasst alle Maßnahmen, mit denen der Betrieb die Konformität seiner Bauteile dauerhaft sicherstellt:

  • Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1: Alle eingesetzten Schweißer brauchen eine gültige Prüfung. Planen Sie 2–3 Monate für Termin und Prüfung ein.
  • WPQR-Verfahrensprüfungen: Für jede Werkstoff-/Verfahrenskombination eine eigene WPQR nach ISO 15614-1. Typisch für mittelgroße Betriebe: 2–4 WPQRs.
  • WPS-Schweißanweisungen: Aus den WPQRs abgeleitet, bilden sie die Grundlage für jede Schweißarbeit.
  • WPK-Handbuch: Beschreibung der internen Abläufe, Prüfmittel, Verantwortlichkeiten, Lenkung fehlerhafter Produkte.
  • Schweißaufsicht nach ISO 14731: Mindestens eine qualifizierte Schweißaufsichtsperson (IWS, IWT oder IWE je nach Ausführungsklasse).

Station 2 — Audit-Vorbereitung

Alle Nachweise werden zusammengestellt und auf Vollständigkeit geprüft. Was Auditoren typischerweise sehen wollen:

  • Vollständiges WPK-Handbuch
  • Schweißer-Prüfungszeugnisse (ISO 9606-1)
  • WPQR-Liste mit allen Verfahrensprüfungen
  • WPS-Sammlung mit den aktuellen Schweißanweisungen
  • Nachweis der Schweißaufsichts-Qualifikation
  • Kalibrierprotokolle der Messmittel
  • Subunternehmer-Dokumentation (Clause 5.6)
  • Liste interner Audits der letzten 12 Monate

Viele Betriebe erleben in dieser Phase die größte Überraschung: nicht alle Subunternehmer-Zertifikate sind aktuell, einzelne ISO-9606-1-Prüfungen sind abgelaufen. Wer das früh genug erkennt, kann rechtzeitig nachsteuern.

Station 3 — Erstprüfung durch die notifizierte Stelle

Die notifizierte Stelle (z. B. TÜV Süd, DEKRA, SLV) prüft vor Ort, ob die WPK tatsächlich funktioniert. Dazu gehören:

  • Werksbegehung mit Schwerpunkt Schweißbereich
  • Sichtung der Dokumentation
  • Stichprobenartige Prüfung von Bauteilen oder Proben
  • Befragung der Schweißaufsicht und der Schweißer
  • Gegebenenfalls Verfahrensprüfung oder Schweißer-Prüfungsbeobachtung

Bei kleineren Abweichungen gibt es Hinweise (Recommendations), bei wesentlichen Mängeln Abweichungen (Non-Conformities). Letztere müssen vor der Zertifikatserteilung behoben sein.

Station 4 — Zertifikatserteilung

Nach bestandener Erstprüfung erhalten Sie das EN-1090-Zertifikat mit der jeweiligen Ausführungsklasse (EXC1 bis EXC4). Damit ist die CE-Kennzeichnung Ihrer Bauteile möglich. Welche Klasse für Ihren Betrieb relevant ist, hängt von der Art der Bauteile ab — eine Übersicht finden Sie auf unserer Seite zu Lieferantenmanagement im Stahlbau.

Die Gültigkeitsdauer des Zertifikats beträgt typischerweise drei Jahre — vorausgesetzt, die jährlichen Überwachungsaudits werden bestanden.

Station 5 — Laufende Aufrechterhaltung

Mit dem Zertifikat beginnt der Alltag der kontinuierlichen Pflege. Dazu gehören:

  • Jährliche Überwachungsaudits durch die notifizierte Stelle
  • Aktualisierung des WPK-Handbuchs bei Änderungen (neue Verfahren, neue Werkstoffe, neue Mitarbeiter)
  • Werkstattbescheinigungen für Schweißer-Qualifikationen alle 6 Monate; Verlängerung der ISO-9606-1-Prüfungszeugnisse spätestens alle 3 Jahre (je nach Verlängerungsmethode nach ISO 9606-1)
  • Überwachung der Subunternehmer-Zertifikate nach EN 1090-2 Clause 5.6
  • Interne Audits der eigenen Prozesse (jährlich empfohlen)

Wer die Subunternehmer-Überwachung digital organisiert, spart pro Jahr mehrere Tage Verwaltungsaufwand — und vermeidet böse Überraschungen beim nächsten Überwachungsaudit.

Was kostet die Zertifizierung?

Die Gesamtkosten variieren stark je nach Ausführungsklasse, Zertifizierungsstelle und ob das WPK-Handbuch intern oder extern erstellt wird. Typische Spannweiten:

Erstzertifizierung EXC2
10.000–25.000 EUR inkl. WPK-Handbuch extern
Erstzertifizierung EXC3/4
20.000–50.000 EUR je nach Bauteilspektrum
Überwachungsaudit jährlich
1.500–2.500 EUR
Schweißer-Prüfung pro Person
450–600 EUR pro ISO-9606-1-Prüfung

Zeitplan auf einen Blick

Eine typische Erstzertifizierung dauert zwischen 4 und 12 Monate. Der größte Brocken ist die WPK-Vorbereitung — hier entscheidet sich, wie schnell der Rest läuft.

6 Monate vor Audit

Notifizierte Stelle auswählen, WPK-Handbuch beginnen, WPQR-Lücken identifizieren.

3 Monate vor Audit

Schweißer-Qualifikationen sicherstellen, Subunternehmer-Liste erstellen, WPK-Handbuch abschließen.

1 Monat vor Audit

Alle Dokumente zusammenstellen, Probe-Audit intern durchführen, offene Punkte schließen.

Subunternehmer-Zertifikate automatisch überwachen

ZulieferCheck überwacht alle Subunternehmer-Zertifikate nach EN 1090-2 Clause 5.6 und erinnert 90/30/7 Tage vor Ablauf.

Jetzt kostenlos testen